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Wissenschaft

Der lange Weg zu einem ADHS-Diagnose: Ein Einblick

In diesem Artikel beleuchten wir die Herausforderungen, die Erwachsene mit ADHS oft jahrelang begleiten. Der Chefarzt der LVR-Klinik in Viersen erklärt den Prozess und die Missverständnisse.

Markus Richter22. Juni 20263 Min. Lesezeit

Einleitung

ADHS, oft als „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung“ bezeichnet, trifft nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene. Doch während der Diagnoseprozess bei Kindern häufig relativ schnell erfolgt, sieht die Realität bei Erwachsenen oft ganz anders aus. Der Chefarzt der LVR-Klinik in Viersen erklärt, warum viele Betroffene einen anspruchsvollen und langwierigen Weg hinter sich haben und warum ADHS nicht einfach als Lifestyle-Krankheit abgetan werden sollte.

Schritt 1: Erster Verdacht und Stigmatisierung

Zahlreiche Erwachsene mit ADHS schildern, dass sie lange Zeit nicht wussten, was mit ihnen nicht stimmte. Oft wird Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität als persönliche Schwäche wahrgenommen. Die Stigmatisierung wirkt sowohl auf die Betroffenen als auch auf ihr Umfeld. Wie viele Menschen halten sich selbst für „faul“ oder „unorganisiert“, ohne den Verdacht auf eine latente Erkrankung zu schöpfen? Und wie viele geben auf, bevor sie eine Diagnose suchen? Dies wirft die Frage auf: Woher kommt diese Stigmatisierung und wie hindert sie Betroffene an einem gesunden Lebensweg?

Schritt 2: Die Suche nach Antworten

Sobald ein Verdacht auf ADHS besteht, beginnt für viele Betroffene die Suche nach Antworten. Viele gehen von Arzt zu Arzt, ohne die richtige Unterstützung zu finden. Es ist erschreckend, wie häufig ADHS in dieser Phase einfach übersehen wird. Hier stellt sich die Frage, ob die diagnostischen Kriterien für Erwachsene ausreichend sind oder ob sie nicht eher eine medizinische Überprüfung benötigen, die individueller auf die Komplexität der Symptome eingeht. Warum gibt es so viele falsche Diagnosen oder gar keine Diagnose?

Schritt 3: Der Diagnoseprozess

Der Diagnoseprozess selbst kann ein weiteres Hindernis darstellen. In vielen Fällen müssen Erwachsene mehrere Fachärzte konsultieren, um die Diagnosestellung zu klären. Dies wirft die Frage auf: Warum ist der Prozess so fragmentiert? Ein mehrheitlich standardisierter Ansatz könnte die Effizienz erheblich steigern. Warum greifen nicht mehr Kliniken auf ein interdisziplinäres Team zurück, um die Betroffenen ganzheitlich zu behandeln? Wer hat hier an den falschen Enden gespart?

Schritt 4: Der Umgang mit der Diagnose

Nach einer langen Wartezeit und vielen Rückschlägen erfolgt schließlich die Diagnose. Dieser Moment kann sowohl eine Erleichterung als auch eine Belastung sein. Viele fühlen sich erleichtert, endlich eine Erklärung für jahrelange Schwierigkeiten gefunden zu haben, aber gleichzeitig konfrontiert die Diagnose sie mit der Herausforderung, nun aktiv etwas verändern zu müssen. Welche Unterstützung benötigen Erwachsene in dieser Übergangsphase wirklich? Und welche falschen Erwartungen können dazu führen, dass sie an den Erwartungen anderer scheitern?

Schritt 5: Therapie und Maßnahmen

Nachdem Erwachsene die Diagnose ADHS erhalten haben, beginnt in der Regel die Suche nach geeigneten Therapieansätzen. Die medikamentöse Therapie ist oft ein zentraler Baustein, wird jedoch von vielen als alleinige Lösung angesehen. Hier stellt sich die Frage: Wie groß ist der Einfluss von anderen Maßnahmen, wie Verhaltenstherapie oder Coaching? Versteckt sich hinter der Abneigung gegenüber nicht-medikamentösen Ansätzen möglicherweise ein tief verwurzeltes Missverständnis über die Erkrankung selbst und die Behandlungsmöglichkeiten?

Schritt 6: Langfristige Perspektiven

Die langfristige Perspektive für Erwachsene mit ADHS bleibt oft unsicher. Trotz Diagnose und Behandlung fühlen sich viele Betroffene isoliert und unverstanden. Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass die Unterstützung nicht endet, sobald die Diagnose gestellt wurde? Brauchen wir nicht eine breitere gesellschaftliche Diskussion über ADHS, um Vorurteile abzubauen?

Schritt 7: Der Weg zur Akzeptanz

Schließlich ist der letzte Schritt oft der Weg zur persönlichen Akzeptanz. Viele Erwachsene müssen erst lernen, mit ihrer Diagnose zu leben und die Eigenheiten ihrer Symptome zu akzeptieren. Wie verändern sich die sozialen Interaktionen und das Selbstbild durch diese Akzeptanz? Und wie können Unterstützungsnetzwerke dazu beitragen, dass ADHS nicht als Makel, sondern als Teil der eigenen Identität wahrgenommen wird?

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